Prostitution 2018 – Berliner Zeitung – 1248 von 8000 Prostituierten registriert
Das Geschäft mit der käuflichen Liebe ist seit jeher ein undurchsichtiges. In Bordellen, in Wohnungen und auf der Straße geschieht vieles im Verborgenen. Verlässliche Angaben darüber, wie viele Frauen und Männer in Berlin anschaffen gehen und ob sie dies freiwillig tun, gibt es kaum. Das neue Prostituiertenschutzgesetz will hier Transparenz schaffen und Zwang aufdecken – es stößt jedoch bundesweit auf scharfe Kritik. Dennoch liefert eine erste Auswertung einige Erkenntnisse zum Milieu in Berlin.
Wie die Senatsgesundheitsverwaltung auf Anfrage der Berliner Zeitung mitteilt, haben sich bisher 1248 Prostituierte bei den Behörden gemeldet, wie es das neue Gesetz verlangt. Von Bordellbetreibern gingen 162 Anzeigen eines Gewerbes ein. Nach den Regeln soll sich jeder, der mit Sex Geld verdient, beim Amt registrieren. Hinzu kommt eine Gesundheitsberatung. Bordellbetreiber müssen ein Betriebskonzept schreiben und dürfen nur noch angemeldete Personen beschäftigen.
Prostitution 2018 – Leonberg – Stadt schließt 5 Bordellbetriebe
Das Baurecht macht vieles möglich, wie das Beispiel „Leonberg“ nun nachhaltig verdeutlicht: nach 16 Jahren der „Duldung“ hat die Stadt Leonberg nun „durchgegriffen“ und die Betreiber der 5 städtischen Bordellbetriebe, die sich in Wohn- und Mischgebieten befanden, davon „überzeugt“ den Geschäftsbetrieb einzustellen! Es hat gereicht, den Betreibern frühzeitig mitzuteilen, dass die Erteilung einer Erlaubnis nicht in Aussicht steht und die amtlichen „Mitteiler“ waren dabei scheinbar sehr überzeugend!
Wenn der „politische Wille“ nicht „will“, so wie es in Leonberg offensichtlich der Fall war, scheuen viele Rotlicht-Unternehmer den Kampf gegen Windmühlen, zumal Rechtsmittel und
Klagen gegen die Stadt ja auch ein teures „Vergnügen“ werden können.
Leonberg wurde jetzt auf dem „kleinen Dienstweg“ Ende des Jahres 2017 eine „bordellfreie Stadt“ und das Amt kann in diesem Bereich ganz entspannt in die Zukunft schauen.
Wenn man es genau betrachtet, hat die Stadt Leonberg die Bordelle gar nicht „dicht gemacht“, nein, die Betreiber haben von selbst die Flügel gestreckt! Daher ist die gewählte Schlagzeile einfach völlig falsch!
Es war ganz anders: Selbstmord statt Mord, liebe Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion! Der zuständige „Schlagzeiler“ sollte hier sorgfältiger arbeiten!
Ähnliche „Aktionen“ hat es, wie man mir persönlich berichtete, beispielsweise auch in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) gegeben, wo das Ordnungsamt schon Mitte 2017 informative Besuche in erotischen Betrieben durchgeführt hat. Auch dort wurden „Empfehlungen“ ausgesprochen, wenn Probleme ansatzweise erkennbar waren.
Ob die Rechtslage in Leonberg und in Leonberg „wirklich“ so eindeutig war, kann man natürlich in Frage stellen. Wenn man aber an Gerichte, Anwälte, Zeit, Geld und die berühmte „hohe See“ denkt, kann man es einigen Zeitgenossen nicht verdenken, dass der „Mut zum Kampf“ nicht sonderlich ausgeprägt war. Gerade wenn Betriebe eh nicht mehr „der Burner“ sind und man eben keine Schubkarren von Geld mehr aus diesen fährt, ist der „Abschied“ manchmal die geradezu sinnvolle Alternative! Oder?
Den Artikel zu „Leonberg“ finden Sie in den Stuttgarter Nachrichten unter:
Prostitution 2018 – Bild Online – Berliner Behörden haben von Sex keine Ahnung
Bild ist bekanntlich stets für eine provokante Schlagzeile offen und so ist der obige Titel nicht ungewöhnlich. Einige deftige Hintern zur Garnierung und das Thema wird rund? Aber lassen wir einmal die Kalauer, denn die Lage ist in Berlin „behördlich ernst“, denn man hat die Umsetzung des neuen Prostituiertenschutzgesetzes einfach viel zu spät auf die Agenda gesetzt! Stellenausschreibungen bis 26. Januar 2018, mit denen man Personal für die Umsetzung des Gesetzes sucht, sprechen da eine deutliche Sprache!
Bei den Berliner Bezirksämtern, die Betriebskonzepte prüfen und die irgendwann die notwendige Erlaubnis für Betreiber von „Prostitutionsgewerben“ erteilen sollen, sind fast keine Anträge eingegangen; die gesetzliche Frist (31. Dezember 2017) hat man mehr oder weniger verstreichen lassen und auch bei den „Hurenausweisen“ gibt es wenig Licht am Horizont!
Keine Ahnung hat man wohl, weil man keine Ahnung haben wollte?
Anders kann man sich die Situation nicht erklären und mit „arm aber sexy“ sammelt man in diesem Zusammenhang auch keine Punkte! Eine Millionenstadt mit unzähligen Erotikbetrieben reguliert man nicht einfach mal so „nebenbei“, aber das scheint der Berliner Landesregierung nicht so wichtig zu sein. Es gibt wohl wichtigere Dinge?
Aber lesen Sie selbst die komplette Meldung der Bild-Redaktion:
Prostitution 2018 – Aktuelle Anmeldezahlen aus NRW – Trierer Volksfreund
Die Redaktion des „Volksfreund“ aus Trier hat sich die Mühe gemacht bei den Behörden in NRW nachzufragen, wie viele Sexworkerinnen sich inzwischen amtlich „registriert“ haben, um sich den unbeliebten „Hurenausweis“ zu sichern, der seit dem 1. Januar 2018 zwingend vorhanden bzw. beantragt sein muss, um legal zu arbeiten und Bußgeldern zu entgehen.
Der „Volksfreund“ vermeldet folgende Zahlen:
Das Gleichstellungsministerium NRW schätzt die Zahl der in NRW tätigen Sexworkerinnen auf 25.000 bis 45.000. In den 53 Städten und Kreisen in NRW, wo „Hurenausweise“ ausgestellt werden, gab es bis Ende Dezember 2017 über 3.000 Meldungen und die Tendenz ist steigend! Spitzenreiter bei den „Registrierungen“ war Köln mit 486 Meldungen, gefolgt von Bochum mit 196 und Dortmund mit 181 Kontakten. In Essen, wo man erst sehr spät mit der Umsetzung des Gesetzes begonnen hat, sind bis Mai 400 Beratungstermine beim Gesundheitsamt „gebucht“. Das Amt ist damit ausgebucht!
Auch was die Verhängung von Bußgeldern anbelangt, ist der „Volksfreund“ gut informiert. Nach Informationen der Zeitung wurden bislang lediglich in Köln und in den Kreisen Borken, Wesel, Olpe und Neuss Verwarnungen wegen „fehlendem Hurenpass“ ausgesprochen. Die als „besonders emsig“ bekannten Städte Düsseldorf und Dortmund waren wohl noch nicht aktiv, was mich leicht verwundert, da eine andere Vorgehensweise angekündigt worden war!
Wegen neuer gesetzlicher Vorgaben haben in OWL erste Bordelle geschlossen. In zwei Fällen ist laut dem Kreis Lippe Betreibern in Bad Salzuflen die Genehmigung verwehrt worden. Unter anderem, weil ein Bordell in einem Wohngebiet lag.
Unter anderem, weil ein Bordell in einem Wohngebiet lag, gab es dafür keine Genehmigung mehr. Bordellbetreiber müssen nämlich seit dem 1. Januar dieses Jahres mehr Auflagen erfüllen. Das sieht das Prostituiertenschutzgesetz vor.
Demnach dürfen die Bordellbetreiber nicht einschlägig vorbestraft sein, und die Räume brauchen ein Notrufsystem. Außerdem dürfen Prostituierte nicht in ihrem Arbeitszimmer gleichzeitig wohnen und schlafen, für viele Bordelle ein Problem.
Gingr.at – Sex in Österreich – Die Revolution in der Sexbranche ist da
Mit dem neuen cloud-basierten Buchungstool von gingr, finden Sie schnellstmöglich Sex in Österreich. Die Onlineplattform bietet für beide Parteien die Möglichkeit, den geeigneten Partner zu finden. Etablissements und Sexworker, aber auch Amateure können die Preise für Dienstleistungen festlegen und bequem Buchungsanfragen bearbeiten. Zunächst war die Onlineplattform exklusiv in der Schweiz verfügbar, mittlerweile aber auch in Österreich. Es ist für PC und Smartphone/Tablet konzipiert. So können User auch unterwegs schnell und bequem ihr Sexabenteuer buchen.
Eine einfache Handhabung, ein attraktives Interface und durchdachtes Design überzeugen und bieten weitreichende Möglichkeiten für die Sexbranche. Sexworker und Etablissements können sich auf der Plattform bequem und schnell einer breiten Masse präsentieren. Vor allem steht die Sicherheit im Vordergrund des Unternehmensführers, Sergio Rigert. Er und sein zehnköpfiges Team haben die Plattform innerhalb eines Jahres konzipiert und gelauncht.
Mit einer speziellen Funktion namens ‚Instafuck‘ können Freier zu jeder Tageszeit entsprechend ihres Standortes das gewünschte Sexabenteuer buchen. Dafür muss auf dem Smartphone der Standort eingegeben werden. Dann wird an die Prostituierten in der Umgebung eine Meldung verschickt. Reagieren die Prostituierten auf diese Meldung und sie sich als verfügbar zurück, kann der Freier unter ihnen wählen.
Zielgruppe der Plattform sind alle, die entweder eine Dienstleistung anbieten möchten oder auf der Suche nach einem Sexabenteuer sind. Die verschiedenen Spektren an angebotenen Dienstleistungen der jeweiligen Anbieter werden durch unterschiedliche Icons illustriert. Damit die Diskretion der Freier gewährt ist, können sich diese mit ihrer Telefonnummer registrieren. Selbstverständlich müssen jeweils Anbieter und Kunden über 18 Jahre alt sein. Der abgemachte Preis wird nach Erbringung der Dienstleistung gezahlt. Der Preis kann selbstständig von den Sexworkern im Voraus für die einzelnen Dienstleistungen festgelegt werden.
Die Sexworker können auf der Plattform Bilder, Videos und Texte hochladen und so ihre Profile kundenattraktiv gestalten. Der Kunde kann dadurch den passenden Sexworker finden. Ähnlich wie bei der ursprünglich US-amerikanischen Plattform Uber, können auf der Karte Verfügbarkeit und Preise eingesehen werden. Gingr will sicher, diskret und eine große Auswahl von Prostituierten an die User vermitteln. Dabei sollen die Buchungsprozesse einfach und sicher sein. Gingr tritt dabei lediglich als dritte Partei, die vermittelt auf.
Schon viele unterschiedliche Frauen und auch Männer sind bereits registriert und warten nur darauf gebucht zu werden. Unter diesen Menschen findet sich sicher auch der zu Ihnen passende Sexpartner. Vernachlässigen Sie dabei aber nicht den richtigen Schutz und nutzen Sie auf jeden Fall verlässliche Verhütungsmittel, um sich vor HIV und anderen Geschlechtskrankheiten zu schützen.
Samstag, 8. April 2017 – 12 bis 16.30 Uhr – Hotel am Waldesrand – Herford
Das neue Prostitutionsgesetz 2017 – Publizist Howard Chance referiert in Herford
Am 1. Juli 2017 wird in Deutschland ein neues Prostitutionsgesetz Inkrafttreten, das nach einer fast siebenjährigen parlamentarischen Beratungsphase im vergangenen Jahr vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde.
Das gesamte Rotlicht-Gewerbe soll ab Sommer 2017 umfassend reguliert und überwacht werden. Prostituierte müssen sich amtlich registrieren, Bordellbetreiber benötigen demnächst Konzessionen und werden auf ihre Zuverlässigkeit überprüft. Baurechtliche Aspekte gefährden Existenzen und der Staat möchte auch von freiberuflichen Escort-Damen demnächst steuerlich profitieren. Themen wie Zwangsprostitution und Fremdbestimmung stehen im Raum und den Kunden des Rotlichts wird eine Kondompflicht auferlegt, bei der Verstöße mit Bußgeldern von bis zu 50.000 € geahndet werden sollen.
Ein Paradigmenwechsel, der es in sich hat und der weitreichende gesellschaftliche Folgen haben wird, die man momentan noch gar nicht überblicken kann.
Zum komplexen Thema „Das neue Prostitutionsgesetz in Theorie und Praxis“ referiert der Kölner Publizist und Unternehmensberater Howard Chance am Samstag, dem 8. April 2017, im Seminarraum des Hotels am Waldesrand in Herford auf Einladung des Portals OWL Erotik.
Chance, der bereits im Herbst 2016 eine umfangreiche Fachpublikation zum neuen Gesetz vorgelegt hat, ist ein ausgewiesener Branchenkenner und mit Experten bundesweit vernetzt. Er baut Brücken zwischen Rotlicht-Betrieben und Behörden und entwickelt tragfähige Strategien zum erfolgreichen Umgang mit dem Gesetz.
Neben Howard Chance nehmen der Lifestyle-Coach Heiko Bender aus Duisburg und ein Bauexperte aus dem Consulting-Team von Howard Chance als Referenten an der Veranstaltung teil.
Das Informationsseminar richtet sich an Erotik-Anbieterinnen und Betreiber von erotischen Betrieben in der Region und soll wichtige wie notwendige Impulse geben. Die Teilnahmeplätze sind beschränkt. Restkarten und Auskünfte gibt es bei Herrn Niederkleine unter Tel. (0176) 83 02 59 12.
Wichtiger Hinweis für Berichterstatter: Interviews sind nur vor oder nach der Veranstaltung möglich, da der anwesende Personenkreis möglicherweise ein „Outing“ befürchtet. Howard Chance hat keine Berührungsängste und steht Ihnen gerne auch für Bildaufnahmen zur Verfügung.
Prostitution ist eines der ältesten Gewerbe der Welt. In vielen Kulturen und Epochen ist es zu finden. Gesellschaftlich ist dieses Gewerbe heutzutage recht unterschiedlich bewertet und regional sehr verschieden angesehen. Prostitution unterliegt der regionalen Weltanschauung und wird sehr stark durch religiöse Vorstellungen beeinflusst. Prostituierte gehören einer gesellschaftlichen Gruppe an, die unter Diskriminierung, Ausbeutung, Gewalt und Verfolgung leidet. Plattformen wie www.gingr.ch registrieren Prostituierte, vermitteln diese und geben Ihnen grundsätzliche Sicherheit.
Die Diskussion um die Legalisierung von Prostitution und deren Beteiligten, wie z.B. die Zuhälter, wird weltweit kontrovers geführt. Hierbei geht es auch oft um die Kriminalisierung der Prostituierten und den beteiligten Personen. Denn Zuhälter üben oft einen Zwang auf die Prostituierten aus. Hierbei geht es darum, wieso sich die Prostituierten überhaupt prostituieren und um den Anteil, den sie an den oder die Zuhälter abliefern müssen. Prostituierte können unter der Aufsicht eines männlichen oder weiblichen Zuhälters stehen. Oftmals üben die Zuhälter Gewalt auf die Prostituierten aus oder beeinflussen sie durch psychische Manipulation. Zuweilen kommt es vor, dass die Prostituierten durch den Einsatz von Drogen in einen Zustand der Abhängigkeit gesetzt werden. Eine besonders gewaltsame Methode ist der Menschenhandel, welcher als eine Art „Moderner Sklaverei“ bezeichnet wird. Hauptsächlich betroffen sind Menschen aus Zweit- und Drittländern, die schlechte oder keine Bildung genossen haben. Bei diesen Arten von Prostitution geht der Verdienst zu großen oder gar ganzen Teilen an die Zuhälter. Als Gegenleistung wird der Schutz der Prostituierten gesehen. Doch trotz des schlechten Images, können Zuhälter dafür sorgen, dass Prostituierte mit weniger Arbeit mehr Geld verdienen. Denn diese sorgen für ein besseres Kundenrepertoire.
In zahlreichen Staaten Europas wird daher eine Politik, die sich für den Schutz der Prostituierten einsetzt immer deutlicher. Beispielsweise ist seit 1942 die Prostitution in der Schweiz legal. Im Jahre 1992 wurde das Sexualstrafrecht in der Schweiz korrigiert. So waren vor der Änderung Kuppelei und passive Zuhälterei strafbar. Das am 21. Juni 1999 eingeführte Personenfreizügigkeitsabkommen zwischen Europa und der Schweiz führte zu einer enormen Zunahme des Angebots. 2009 wurde es auch auf Bulgarien und Rumänien ausgeweitet. Im Jahr 2013 wurde im Züricher Stadtteil Altstetten ein Straßenstrich geschlossen. Mehrere Organisationen kritisierten dieses ziemlich scharf.
Ein Ausstieg aus der Prostitution gestaltet sich mitunter sehr schwierig. Probleme bei der Darstellung des Lebenslaufes in Bewerbungen ist da noch das kleinste Übel. Vielmehr sind es die Bedingungen des Milieus, die den Ausstieg als sehr schwierig gestalten. Doch gibt es in vielen Städten und Gemeinden Anlaufstellen, die den Prostituierten Hilfe bei einem Ausstieg anbieten und unterstützende Arbeit leisten.
Prostitution 2017 – Literatur-Tipp – Kennen Sie den heiligen Skarabäus?
Zur inhaltlichen Abwechslung einmal ein Literaturtipp für die Freundinnen und Freunde ausgewählter Literatur: bei einer Artikel-Recherche zum Thema „Prostitution“ (wie könnte es anders sein), bin ich auf ein vermeintliches Skandal-Buch aufmerksam geworden, das von Literaturkennern als eines der maßgeblichen Werke im Bereich der „Prostitutionsliteratur“ gilt
und ein recht extremes Sittengemälde der Wiener Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeichnet, wo promiske Lasterhaftigkeit und Vergnügungssucht, ähnlich wie heute (?), weit verbreitet waren und wo man auf der Suche nach persönlichem Lustgewinn moralische Grenzen übertrat und auch vor strafbaren Handlungen nicht zurückschreckte.
Else Jerusalem: „Der heilige Skarabäus“ von 1909
Else Jerusalem´s Buch „Der heilige Skarabäus“ ist ein „Unsittenroman“, der vorwiegend im sogenannten „Rothaus“ spielt, in einem Etablissement, das sich im Fortlauf der Geschichte von einer schäbigen Absteige zu einem vornehmen Salon (Bordell) entwickelt und dann später wieder einen Niedergang erlebt. Im Salon mit der „blutroten Laterne“ vergnügt sich das Bürgertum geradezu maßlos: Mädchenhandel und Schieberringe sind ebenso Thema, wie gesellschaftliche Doppelmoral. Mädchen vom Land werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in das „Rothaus“ gelockt, ihrer „Bestimmung“ zugeführt, während die korrupte Polizei wegschaut oder sogar mitmischt.
Der heilige Skarabäus: Ein Käfer, der ein Symbol für die Auferstehung und den Gang der Sonne ist!
Milada, die Tochter einer Hure, ist die Hauptperson des packenden Romans. Sie wurde als uneheliches Kind im Bordell geboren, wuchs dort auf und war schon als Kind mit den sehr merkwürdigen Abläufen im Haus konfrontiert. Für sie ist das, was sie erlebt, irgendwann völlig normal, weil sie ja keine anderes Zuhause kennt. Unsitte und Anrüchigkeit nimmt sie nicht wahr und Prostitution ist in ihrer Betrachtung ein völlig normaler Beruf. Sie ist sogar stolz auf ihre „vielbegehrte Mutter“, die eines der besten „Pferde“ im Stall ist und von den Freiern gefeiert wird. Als Heranwachsende hat Milada dann außerhalb des Bordellbetriebs Erlebnisse und Begegnungen, die sie langsam aber sicher an der „Normalität“ des Gewerbes zweifeln lassen. Milada liest Marx, Büchner und Bebel und entwickelt sich zu einer intelektuellen Betrachterin der Szenerie. Die Autorin Else Jerusalem und ihre Romanfigur verschmelzen an dieser Stelle und es folgen Schilderungen und Abstraktionen, die ein neues Bild zeichnen und wo der „Glorifizierung“ eine Betrachtung des „glanzlosen Elends der Dirnen“ folgt. Dabei geht es nicht um reine Schwarz-Weiss-Zeichnung, sondern auch um die Grautöne, die das Gewerbe prägen und die unsere Autorin trefflich schildert!
Interessant ist auch die Betrachtung der Geschäftsmodelle, die von der Autorin intensiv geschildert werden: im Prinzip hat sich seit 1900 (um diese Zeit spielt der Roman) wenig geändert: das Rothaus wird wie ein heute übliches Laufhaus geführt, wo Tagesmieten erhoben werden und wo sich Charaktere tummeln, die auch heute noch ähnlich agieren.
Im Roman lernt man Prostituierte aller Couleur kennen, man trifft auf Freier, Dichter und Denker, die manchmal alles in Personalunion sind und man wird in einen packenden Reigen miteinbezogen, der eben manchmal eskaliert. Auch die Schilderung der wechselnden Bordellbetreiber(innen) hat es in sich: die eine, die davon ausgeht, dass Frauen „zur Lust des Mannes geborenen“ seien, trifft auf ihre fromme Nachfolgerin, die zwar Prostitution für schmutzig befindet und verachtet, aber dennoch dann das eingenommen Geld des Abends mit „weihrauchgereinigten Fingern“ genüsslich zählt. Ein wenig Bigotterie kann ja nicht schaden und das auch der Polizeihauptmann gerne Spenden nimmt, verwundert gar nicht. Eine weitere Betreiberin des Rothauses führt sogar die „Kinderprostitution“ ein, weil sich damit eben deutlich mehr Geld verdienen lässt und sie erklärt es der Kundschaft mit dem verwegenen Spruch: „Rindfleisch müssen Sie teurer zahlen“. Spätestens an dieser Stelle wird es inhaltlich drastisch und die Lektüre ist nichts für allzu schwache Gemüter!
Nun ist es einfach unmöglich, den genauen Inhalt eines 620-Seiten-Romans in Kurzform zu erzählen. Die Handlung spielt über mehrere Jahrzehnte und wenn man kein Detail verpassen möchte, muss man das Werk sicher sogar mehrfach lesen. Ich finde es interessant, wie aktuell der historische Roman ist und wie wenig sich im Gewerbe wirklich geändert hat. Man könnte die Handlung, mit wenigen Änderungen, als Schauspiel in die Neuzeit übertragen und müsste die meisten Dialoge dabei nur unwesentlich abändern.
Wie schreibt dazu ein bekannter Literatur-Kritiker:
Jerusalem hat mit dem heiligen Skarabäus einen Bordell-Roman über das glanzlose Elend der Prostituierten vorgelegt, der alle seinesgleichen weit hinter sich lässt und auch im 21. Jahrhundert nichts von seiner Bedeutung eingebüßt hat.
Mögen Sie Literatur der etwas schrägen Art und sind Sie nicht zu zimperlich? – Dann empfehle ich Ihnen Else Jerusalem´s Werk sehr herzlich. Weiter Informationen finden Sie dazu bei Amazon, wo das Buch auch bestellbar ist:
Prostitution 2017 – Debatte über staatlich geförderte Sexualassistenz
Am vergangenen Wochenende gelangte das Thema „Staatlich geförderte Sexualassistenz“ durch eine Pressemeldung in der Bild am Sonntag in die breite Öffentlichkeit und die sozialen Medien sind natürlich sofort eingestiegen: auf Facebook und Co. wimmelt es von Kommentaren und die Mitbürger äußern emsig ihre Meinungen zu den Vorschlägen von Elisabeth Scharfenberg, der pflegepolitischen Sprecherin der Grünen.
Scharfenberg hatte angeregt, sexuelle Dienstleistungen für Pflegebedürftige und Behinderte finanziell zu fördern, was von bekannten Politikern sofort energisch zurückgewiesen wurde. Karl Lauterbach (der SPD-Gesundheitspolitiker mit der markanten Fliege) bezeichnete des Vorschlag als „abwegig“ und erklärte, dass er „bezahlte Prostitution in Altenheimen“ ablehne!
Nun kann man sich ja schon seit einigen Jahren „Sexualassistentinnen“ und wahrscheinlich auch „Sexualassistenten“ ins Pflegeheim bestellen, wenn man denn über die entsprechenden Mittel verfügt und wenn das Heim dies zulässt, aber wenn man zu einem Pflegefall geworden ist, bleibt durch die hohen Kosten für das Pflegeheim in vielen Fällen trotz guter Rente nur noch ein geringes Taschengeld übrig. So kann man sein Bedürfnis nach Nähe und Sexualität schwer stillen, da man den Preis für Dienstleistung kaum aufbringen kann.
In einem Interview bei „Zeit online“ wurde jetzt Frau Gabriele Paulsen zum Thema befragt. Sie ist die Chefin von „Nessita“, einem deutschen Dienstleister für sexuelle Assistenz bei Demenzpatienten und in Altersheimen und sie wehrt sich in der Befragung gegen die Einordnung ihrer Dienstleistung unter „Prostitution“, da ihre Mitarbeiterinnen keinen oralen und vaginalen Dienste anbieten, sondern lediglich eine manuelle Entspannung bieten. Dies sei nicht erlaubnispflichtig und von allen anderen Dingen würde sie sich distanzieren.
Nun gut, momentan hat sie noch recht, aber streng genommen wird auch dieser Geschäftszweig ab 1. Juli 2017 unter den „Prostitutionsbegriff“ fallen, da eben eine sexuelle Handlung stattfindet und dafür Geld genommen wird.
Können Sie sich vorstellen, dass Opa Rudi von seinem Pflegebett aus im örtlichen Bordell anruft und dann eine Dame in den „Seniorenstift St. Blasisus“ bestellt? Nein? Dann fehlt Ihnen einfach die Fantasie! Sexuelle Begierden gibt es bis ins hohe Alter und auch im Altenheim gibt es natürlich Bedarf Sexualität zu erleben. Daher gibt es solche Anrufe wirklich, wobei es aber eben nur wenige gibt, die sich wirklich auf den Weg machen. Da gibt es durchaus Hemmschwellen: einen pflegebedürftigen Menschen mit körperlichem oder geistigem Handikap im Altenheim zu erfreuen, klingt schon etwas merkwürdig und hat mit der klassischen „20-Minuten-Nummer“ im örtlichen Bordell wenig gemein. Daher werden viele Bestellungen von lokalen Anbietern wohl eher als Spaß aufgefasst, zumal es auch sicher eine Überwindung ist, sich als Sexworker(in) vor Ort bei der Pflegedienstleitung anzumelden, um eben bei unserem fiktiven Rudi tätig werden zu können.
Übrigens berichtet Gabriele Paulsen im schon genannten Interview, dass die Bestellung von Dienstleisterinnen oftmals von Familienangehörigen übernommen wird! Will man dem Opa dann zum Geburtstag eine Freude machen oder ist das gesellschaftlich inzwischen normal? Die Eltern gehen mit Freunden in den Swingerclub, Vati bestellt sich auf Geschäftsreisen eine Escort-Lady ins Hotel, Mutti bekommt den jugendlichen Callboy und dem armen Opa schicken wir eine frivole Assistentin ins Heim? Deutschland im Jahr 2017?
Ich möchte aus dem Thema jetzt keine Klamotte machen, bei der wir uns die bewegten Bilder im Kopf vorstellen, denn ich gönne den alten Menschen Nähe, Zärtlichkeit und Sex absolut. Es ist ja schon schlimm genug, irgendwann seine gewohnte Umgebung aus gesundheitlichen Gründen verlassen zu müssen. Im Altenheim „natürliche“ Sexualpartner zu finden, dürfte ein Ding der Unmöglichkeit sein! Daher sind Organisationen wie „Nessita“ wichtig, da sich dort Dienstleisterinnen versammelt haben, die eben mit der speziellen Aufgabe umgehen können und dafür auch von erfahrenen Kolleginnen geschult werden. Eine berufliche Vorbildung im Bereich „Krankenpflege“ ist oft vorhanden, da der Umgang mit kranken und gebrechlichen Menschen ja auch im medizinischen Sinne schon gewisse Anforderungen stellt und man dies im Blick haben muss, um keine Schäden anzurichten!
Wenn die „Zeit“ nun zum Thema mit „Förderung der Prostitution“ und „Zuhälterei“ titelt, so halte ich dies für extrem fragwürdig! Auch wenn es als Frage formuliert ist, geht das am Thema eigentlich total vorbei und erfüllt nur den Schlagzeilen-Zweck: die Leserin und der Leser sollen angelockt werden und dies geht am besten mit reißerischen Parolen!
Die Ausgangsfrage, ob der Staat aus den Pflegekassen für Sexualassistenz zur Verfügung stellen sollte oder ob Krankenkassen eventuell bereit sind, für solche Dienstleistungen zu zahlen, wird unsere doch recht konservative Politik wohl langfristig verneinen. Wenn man bedenkt, dass man im Kranken- und Pflegebereich schon seit Jahren Einsparungen vornimmt und dass viele notwendige Hilfsmittel nicht oder erst nach mühsamen Antragsverfahren bewilligt werden, ist es kaum vorstellbar, dass Sexualassistenz, so wichtig sie auch sein möge, zu einer staatlich subventionierten Leistung werden kann.
In einer Gesellschaft, die immer älter wird, werden die Kassen im Kranken- und Pflegebereich in den kommenden Jahrzehnten immer leerer werden und da gibt es dann keine Spielräume für sehr spezielle Leistungen, die man zudem für moralisch fragwürdig befinden kann und die, zumindest auf den ersten Blick, nicht unbedingt dem Gemeinwohl dienen. So wird es im Bereich der bezahlten Erotik, hier wie dort, bleiben wie es ist: „Ohne Geld keine Liebe!“ oder als Parallelismus membrorum formuliert:
„Wer keine Mäuse hat, der kann sich leider kein Kätzchen leisten!“
Focus Online: Wo das Prostituiertenschutzgesetz versagt: Besuch auf dem Straßenstrich in Berlin
Die Kurfürstenstrasse in Berlin ist berühmt-berüchtigt für günstige sexuelle Vergnügungen der besonderen Art: hier hat sich mitten in einem Wohngebiet ein Strassenstrich etabliert, der nicht nur bei den Bewohnern des Viertels für Verwunderung sorgt. Mehrere Hundert Damen sind hier wöchentlich unterwegs und auf der Suche nach (schlecht) zahlender Kundschaft. Osteuropäische Ladies werden ebenso gesichtet wie Berliner Rentnerinnen, die sich ein Zubrot zur Rente verdienen wollen oder müssen. Egal ob Sommer oder Winter: die Kurfürstenstrasse ist immer ein Anlaufort für den schnellen Sex, der meist im Freien stattfindet und Passanten wie Anwohner natürlich massiv belästigt.
Ohne ein fest gemietes Zimmer arbeiten, um Geld zu sparen. Ohne Waschgelegenheit schaffen, die Freier im Gebüsch bedienen, im Auto auf umgeklapptem Sitz „verkehren“ oder schnell die kurzen Hosen hinter dem nächsten Bauwagen herunterlassen. Rustikal und sehr unkompliziert: das muss man definitiv mögen und Romantik sieht sicher ganz anders aus!
Aus Industriegebieten und von Einfallstrassen kennt man so etwas, aber mitten in der City ist es in einer solcher Häufung doch mehr als ungewöhnlich und man fragt sich, wie die Berliner Politik die Entstehung eines solchen Problem-Kiezes dulden konnte. Solange ich persönlich die Kurfürstenstrasse kenne, gab es dort schon immer Gunstgewerblerinnen, aber in den vergangenen Jahren hat es Reeperbahn-Dimensionen angenommen, die das Stadtbild an diesem Ort merklich prägen und überhaupt nicht zum übrigen wohnlichen Umfeld passen, wo Schülerinnen und Schüler herumlaufen und Familien ihren Lebensraum haben.
Focus-Reporterin Uschi Jonas war vor Ort, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen und um mit Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Dabei stellte sie sich auch die Frage, was das alte Prostituionsgesetz wohl in der Kurfürstenstrasse bewirkt hat und was das neue dort bewirken kann. Dabei kam dabei sie zu folgender Artikel-Überschrift:
Focus Online: Wo das Prostituiertenschutzgesetz versagt: Besuch auf dem Straßenstrich in Berlin