Prostitutionsgesetz – Warum weiß auf dem Amt niemand Bescheid?
Ja, es gibt sie wirklich: die frühen Vögel, die den Wurm schon suchen, bevor er überhaupt aus der Erde gekrochen ist. Das soll jetzt nicht respektlos klingen, ganz im Gegenteil, denn schließlich gilt ja auch das alte deutsche Sprichwort „Was Du heute kannst besorgen, dass verschiebe nicht auf morgen!“
In der Erotikbranche kommt das frühe Kümmern nicht so oft vor, wie ich aus jahrelanger persönlicher Erfahrung weiß. Umso überraschter war ich, dass sich einige Leute aus der Branche schon im Oktober 2016 an lokale Ordnungs- und Bauämter gewendet haben, um dort ihren Betrieb noch 2016 konzessionieren zu lassen. Auch einige Damen hatten scheinbar keine Ruhe und sprachen mit 2 Passbildern bei Behörden vor, um möglichst schnell einen Huren-Ausweis zu bekommen. Alles nach dem Motto: erledigt ist erledigt und wir haben Ruhe!
Leider gab es jedoch für alle Beteiligten keine regulierenden Erfolgserlebnisse! – Amtmann Müller vom städtischen Ordnungsamt staunte nicht schlecht, als er den Konzessionsantrag aushändigen sollte und Frau Schneider vom Bürgerbüro konnte mit den Huren-Passbildern auch nicht anfangen! Beide Amtspersonen hatten zwar durch Presse-Meldungen und Dienstpost von „einem“ neuen Prostitutionsgesetz gehört, konnten aber zur geplanten Umsetzung vor Ort keine Angaben machen.
Zwar kommt das Bundesgesetzblatt automatisch in fast jedes deutsches Amt, aber zur Bewältigung neuer Aufgaben benötigt man nun mal konkrete Vorgaben, Formulare und Verwaltungs-Datenbanken, bevor man überhaupt zu Werke gehen kann. Dass die demnächst zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch erst ins neue Gesetz eingeführt und entsprechend geschult werden müssen, steht auch völlig außer Frage!
Durch Stellenabbau und Straffung der Verwaltungen geht sowas nicht von heute auf morgen und nach der üblichen Hierarchie kommen Informationen vom Bund zu den Ländern und die
Länder informieren dann die Städte und Kommunen in ihrem Zuständigkeitsbereich. So etwas dauert und so sind die momentan vorherrschenden verwunderten Blicke auf den Amtsstuben überhaupt nicht verwunderlich, sondern völlig normal!
Vor März/April 2017, so das Ergebnis meiner diesbezüglichen Nachfrage, wird man wohl keine konkreten amtlichen Auskünfte bekommen und daher lohnt sich die Nachfrage im Moment auch nicht wirklich. Ein Gesetz, was noch nicht Inkraft getreten ist, kann man ja auch gar nicht umsetzen, selbst wenn man wollte. Vor dem 1. Juli 2017 wird man keinen Huren-Ausweis beantragen können und keine Erlaubnis für ein Prostitutionsgewerbe erhalten können und nach unterschwelligen Aussagen ist auch nach dem Stichtag mit diversem „Stau“ zu rechnen, da die öffentlichen Verwaltungen auch ohne das neue Gesetz vielerorts überlastet sind.
Wenn man momentan in Berlin ein Auto um- oder anmelden möchte, kann es passieren, dass man erst nach Wochen einen Termin dafür bekommt; Bauanträge dauern Monate und Verwaltungsverfahren schleppen sich über Jahre, weil Personal fehlt. Auf dem Land hingegen
bekommt man womöglich auf dem Bürgerbüro fast alles innerhalb von Stunden, weil der Personalschlüssel stimmt.
Es ist davon auszugehen, dass viele Städte und Gemeinden die Umsetzung des neues Prostitutionsgesetzes nicht zu einer Aufgabe mit besonderer Priorität erheben werden, es sei denn, dass der lokale Kämmerer in der Umsetzung eine zusätzliche Einnahmequelle erkennt und der Verwaltung klare Vorgaben macht.
Wichtig: in Orten, wo schon jetzt eine städtische oder kommunale Sexsteuer erhoben wird, haben die Behörden deutlich weniger Probleme mit dem neuen Gesetz, da die zur Anmeldung verpflichteten Personen zumindest teilweise bekannt sind und auch die diversen Prostituionsstätten zumindest bei den lokalen Steuerämtern bereits erfasst sind!
Prostitutionsgesetz – Werden große FKK-Saunaclubs gesetzlich begünstigt?
Mit dieser Frage wurde ich in der Beratung kürzlich konfrontiert. Ein Bordellbetreiber, der einen etwas grösseren Wohnzimmer-Club betreibt, hatte Kontakt zu den Inhabern eines großen Saunaclubs gehabt und er hatte diese nach ihrer Einschätzung zum neuen Gesetz befragt. Es hatte ihn überrascht, dass die „FKKler“ ganz entspannt waren und mit der Gesetzeseinführung im Gegensatz zu ihm keine wirklichen Probleme befürchten.
Daher stellte sich der Herr die Frage, was er denn mit seinem recht kleinen Club falsch macht und ob der Gesetzgeber womöglich erotische Großbetriebe schlichtweg irgendwie begünstigt. Kann das sein oder versteht es da etwas falsch?
Prostitutionsgesetz – Werden große FKK-Saunaclubs gesetzlich begünstigt?
Die Antwort auf diese Frage ist recht einfach: die großen FKK- und Saunaclubs werden amtlich bereits als Bordellbetriebe oder bordellartige Betriebe geführt und sind baurechtlich entsprechend abgenommen. Da in vielen dieser Clubs auch Alkohol ausgeschenkt wird, gibt es in der Regel auch Gaststättenkonzessionen, bei denen die Zuverlässigkeit der Betreiber schon immer geprüft wurde. Daher ist die ab Mitte 2017 notwendige Erlaubnis zum Betreiben einer Prostitutionsstätte eher nur eine Formsache, die in den meisten Fällen zu keinen größeren Problemen führen wird.
Das übliche Geschäftsprinzip mit den „weiblichen Gäste“, die genau wie die männlichen Kunden einen Tageseintritt bezahlen, dürfte absolut gesetzeskonform sein und kann auch nicht unter „Ausbeutung“ oder „Wucherei“ fallen. Zwar muss man explizit auf die Kondompflicht hinweisen und bei der Werbung etwas zurückhaltend sein, aber im großen Ganzen arbeiten die „FKKler“ bereits jetzt so, dass es den neuen Regeln entspricht.
Weil dies so ist, hält sich in diesem Bereich auch der Beratungsbedarf sehr in Grenzen. Obwohl FKK- und Saunaclubs sehr hohe Fixkosten haben, viel Personal benötigen und auch bei der Werbung nicht sparen, betrachte ich das Konzept als solches als ein Erfolgsmodell für die Zukunft. Solange ausreichend Kunden kommen und solange sich die Club-Dichte nicht weiter massiv erhöht, kann in diesem Marktsegment zumindest rechtlich wenig anbrennen, wenn man denn das Geschäft seriös betreibt und seine Steuern brav und pünktlich entrichtet.
Prostitutionsgesetz – Können sich Ausländerinnen als Sexworker registrieren?
Eine Frage, mit der ich mich schon in meinem Buch beschäftigt habe und die auch bei einigen Telefonanrufen bereits nachfragend thematisiert wurde.
Bei der amtlichen Sexworker-Anmeldung nach dem neuen Prostitutionsgesetz müssen wir zwischen 3 Personengruppen unterscheiden:
Deutsche Staatsangehörige
EU-Bürger(innen)
Bürger(innen) aus Drittstaaten
Deutsche haben natürlich keine formalen Probleme, wenn sie sich als Sexworker registrieren und EU-Bürger haben nach der EU-Freizügigkeits-Regelung praktisch die gleichen Möglichkeiten, da in der EU Arbeits- und Niederlassungsfreiheit gilt. Sexworker aus dem EU-Ausland können sich also problemlos registrieren und dürfen in Deutschland der Prostitution nachgehen. Sie sind den deutschen Sexworkern gesetzlich gleichgestellt.
Schwieriger wird es bei Bürgerinnen und Bürgern aus den sogenannten „Drittstaaten“, worunter man alle Länder versteht, die nicht zur Europäischen Union gehören. Leute aus diesen Staaten benötigen eine gültige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, um den berüchtigten „Huren-Ausweis“ erhalten zu können!
Ein Touristenvisum ist in keinem Fall ausreichend! – Wenn man bedenkt, dass eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Sexworkerinnen aus Russland, Thailand, China und Kolumbien (rein exemplarisch gewählt) für einige Monate nach Deutschland einreist, um hier der Prostitution nachzugehen, sind aufkommende Probleme bereits erkennbar: während diese Tätigkeiten , wenn sie mehr oder weniger „selbständig“ erfolgten, bislang durchaus schon mal geduldet wurden, gibt es nach dem neuen Gesetz hierzu keine Möglichkeiten mehr, da ja eben der „Huren-Pass“ erforderlich wird, der dem genannten Personenkreis aber absolut nicht ausgestellt werden kann!
Howard, was halten Sie von den Sexworker-Verbänden?
Im Rahmen meiner publizistischen und beratenden Arbeit, bin ich in den vergangenen Monaten mehrfach mit Mitgliedern von Sexworker-Verbänden in verschiedenen Foren, Portalen und auch im direkten Meinungsaustausch bis zum Totalschaden kollidiert. Das hat sich automatisch hochgeschaukelt, ohne das ich es wollte. Warum auch? – Aus diesen Umtrieben heraus, ist jedenfalls im Oktober eine Situation entstanden, die geeignet war, meinem Image und damit auch meiner Arbeit nachhaltig zu schaden.
Howard Chance: Clubbetreiber, Zuhälter, möglicherweise Brandstifter? – Einer, der mit bösen Rockern rummacht und sich nun auf den Weg gemacht hat, Geld von Sexworkern für seine schlauen Sprüche zu nehmen. Howard Chance: einer, der sein Buch abgeschrieben hat und Mädels bedroht, die nicht seiner Meinung sind!
Na, eine Empfehlung klingt anders und ich konnte gar nicht verstehen, aufgrund welcher Informationen ein solch wirres Bild entstehen konnte. Selbst bei Geschäftsterminen wurde ich darauf angesprochen, dass Sexwork-Aktivistinnen vor mir warnen würden und dass ich nur üble Dinge im Schilde führen würde. Oh, das tat nicht gut, aber im Internet lässt sich schnell alles verbreiten, was irgendwie interessant klingt.
Dass ich statt „Zuhälter“ eher „Abhälter“ war, können Insider jederzeit bestätigen; statt Brandstifter war ich Opfer eines Mordversuchs und bin dem gelegten Feuer in letzter Minute in Unterhose entkommen. Der Täter hat zumindest die Brandstiftung gestanden und wurde
wegen versuchtem Mord rechtkräftig verurteilt. Mein Buch habe ich natürlich selbst geschrieben und wie soll ich Damen abzocken, die ich überhaupt nicht berate? – Ich kann ja vieles ab, aber hier wurden Grenzen deutlich überschritten!
Vom Saulus zum Paulus? … Der Weg ist das Ziel?
Im konstruktiven Dialog habe ich dann Kontakt zu führenden Aktivistinnen aufgenommen, habe fachlich zum Teil hart diskutiert und inzwischen hat sich überraschenderweise der Umgang miteinander deutlich gebessert. Schon die Tatsache, dass sich ein Mann massiv in Sexworker-Themen einbringt, war vielen der Damen schon ausreichend verdächtig und da ich mitunter scharf und manchmal auch zotig formuliere, muss ich mich über Kritik nicht wundern, da ich diese ja auch gerne provoziere. Stattgegeben!
Mit Ausnahme des schon erwähnten österreichischen Portals, wo mich ein männlicher Moderator, der einigen Mädels wohl gefallen wollte, völlig unwirsch abbügelte und mit plumpen Verleumdungen meinen Foren-Ausschluß zwergenhaft verkündete, bin ich mit vielen Aktivistinnen inzwischen absolut im Reinen und unterstütze deren Anliegen ausdrücklich. Schließlich bin ich auch überhaupt keine Konkurrenz für die Verbände, da ich in Bereichen berate, für die bei den Verbänden überhaupt keine Angebote bestehen und die diese auch auch gar nicht leisten können und wollen. Ich bin kein politischer Aktivist, sondern besonnener Berater, der ganz pragmatisch an existenten Problemlösungen arbeitet.
Sowohl der BesD wie auch Dona Carmen leisten seit Jahren eine unverzichtbare wertvolle Arbeit und haben sich zum unerfreulichen Kampf gegen Windmühlen aufgestellt. Sie haben sich aktiv in Beratungsprozesse eingebracht und sind für die Sexworker in Deutschland unverzichtbare Ansprechpartner. Dies habe ich nie in Frage gestellt und ich hatte auch nie die Absicht, in diesem Bereich in beratende Konkurrenz zu treten.
Von meinem sonnigen Stuhl aus, ist es ja leicht, Kritik zu üben, da ich ja von der neuen Gesetzgebung nicht direkt betroffen bin, sondern – zugegeben – sogar wirtschaftlich davon profitiere. Dass dies nicht gefallen muss, dürfte klar sein, hat aber sicher nichts mit Abzocke zu tun! – Faire Dienstleistung, fairer Preis und ständige mentale Weiterentwicklung.
Den Aufruf von Dona Carmen e.V. zu einer Verfassungsbeschwerde, habe ich durch diverse Veröffentlichungen bereits unterstützt und werde dies auch weiter tun. Eine Teilnahme an der Konsilidierungsversammlung am 16.12.2016 in Frankfurt/Main ist fest eingeplant.
Ich suche nach wie vor das Gespräch mit allen Betroffenen, bin gerne bereit inhaltlich und moralisch zu unterstützen, liebe es konstruktiv zu streiten und würde mir wünschen, dass der Respekt, den ich den Verbänden gewähre, auch irgendwann zu mir zurückkommt. Ein sehr positives Zeichen war, dass mich inzwischen einige Kritikerinnen in Facebook sogar als „Freund“ geaddet haben und auch Beiträge von mir bei Twitter teilen. Dass eine bekannte deutsche Aktivistin bei mir neuerdings „mit im Boot“ ist, möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Dass würde sie sicher nicht tun, wenn ich aus der Hölle käme … oder?
Das Motto von Dona Carmen „Lasst uns gemeinsam an einem Strang ziehen!“ nehme ich somit im positiven Sinn auf und schaue, was mögliche Kooperationen anbelangt, sehr positiv
in die arbeitsreiche Zukunft!
FAQ – Prostitutionsgesetz – Howard, kann ich auch in Naturalien bezahlen?
Tja, auch skurille Dinge kommen im Beratungsalltag schon mal vor und es gibt in der Tat fast nichts, was es nicht gibt, stelle ich immer wieder fest. Es gab in einem Erotikportal mal eine Rubrik „Sex gegen Arbeit“, wo man für Handwerksleistungen gegen Erotik anbieten konnte und wo man eine Dienstleisterin auch mit Brennholz für den Winter oder mit einem neuen Auspuff-Topf bezahlen konnte. Auch (geklaute) Smartphones gelten in manchem Eros-Center und auf dem Straßenstrich durchaus als Bargeld-Ersatz.
Eine Massage-Künstlerin aus dem norddeutschen Raum, die über eine Konzessionierung ihrer Räume in 2017 intensiv nachdenken muss, weil sie dort mit mehreren Damen sehr erotische Dienstleistungen anbietet und auch noch nach dem 1. Juli 2017 anbieten will, stutzte bei meinem Angebot: 250 € für eine etwa 3-stündige Beratung, bewegten sich für sie in einem Bereich, der geradezu utopisch erschien.
Obwohl in ihrem Institut 150 € für eine einstündige Massage üblich sind und das Geschäft nach eigenen Angaben auch sehr gut läuft, hatte die Dame nicht die Absicht meine Beratung mit Talern oder per Überweisung zu zahlen. Ich vermutete gleich einen Igel in ihrer Tasche, der durch seine Stacheln stechenden Schmerz verursacht, wenn man hineingreift.
So wurde mir bei der telefonischen Terminvereinbarung statt eines Honorars eine 2-stündige Luxus-Massage angeboten, bei der ich sicher meinen Spaß haben würde! Und das tollste daran wäre, dass ich ja sogar noch 50 € sparen würde, weil die vorgeschlagene Massage ja sogar 300 € kosten würde. Und falls in 2017 weitere Maßnahmen erforderlich sein sollten, könnten wir doch ähnlich verfahren und einfach Dienstleistung gegen Dienstleistung tauschen. Hurra!
Die Idee fand ich durchaus lustig, dennoch willigte ich nicht ein: mein Benzin an der Tankstelle und die oft notwendigen Hotel-Übernachtungen kann ich schließlich nicht zahlen, indem ich dem Tankwart einen runterhole oder das Hotel-Zimmermädchen verwöhne und zudem sollte man solche geschäftlichen „Verschmelzungen“ grundsätzlich vermeiden. Wenn mal etwas hakt oder man später einmal Probleme in der Zusammenarbeit bekommt, ist es ganz schlecht, wenn man sich zuvor als Lustmolch gebärdet hat. Außerdem mache ich mich eher ungern zum Freier, weil dies nicht meinem üblichen Selbstverständnis entspricht.
Aber: Überraschung! – Nachdem ich das Tauschgeschäft freundlich aber bestimmt abgelehnt
hatte, muss dann schlagartig der Igel gestorben sein! -Denn: der Termin wurde zu meinen Konditionen vereinbart und plötzlich waren auch normale Euros im Gespräch, was gerade in
der teuren Weihnachtszeit mein Gemüt erfreut.
Übrigens gehe ich nach einigen negativen Erfahrungen auch nicht mehr auf „Raten-Zahlung“ ein. Ein Schlaumeier aus dem Süden hatte nämlich im Lexikon etwas falsch interpretiert: er war und ist der Meinung, das man bei dieser Zahlungsart als Dienstleister raten muss, wann der Kunde zahlt! – Nochmal ein Hurra!
Focus Online: Wo das Prostituiertenschutzgesetz versagt: Besuch auf dem Straßenstrich in Berlin
Die Kurfürstenstrasse in Berlin ist berühmt-berüchtigt für günstige sexuelle Vergnügungen der besonderen Art: hier hat sich mitten in einem Wohngebiet ein Strassenstrich etabliert, der nicht nur bei den Bewohnern des Viertels für Verwunderung sorgt. Mehrere Hundert Damen sind hier wöchentlich unterwegs und auf der Suche nach (schlecht) zahlender Kundschaft. Osteuropäische Ladies werden ebenso gesichtet wie Berliner Rentnerinnen, die sich ein Zubrot zur Rente verdienen wollen oder müssen. Egal ob Sommer oder Winter: die Kurfürstenstrasse ist immer ein Anlaufort für den schnellen Sex, der meist im Freien stattfindet und Passanten wie Anwohner natürlich massiv belästigt.
Ohne ein fest gemietes Zimmer arbeiten, um Geld zu sparen. Ohne Waschgelegenheit schaffen, die Freier im Gebüsch bedienen, im Auto auf umgeklapptem Sitz „verkehren“ oder schnell die kurzen Hosen hinter dem nächsten Bauwagen herunterlassen. Rustikal und sehr unkompliziert: das muss man definitiv mögen und Romantik sieht sicher ganz anders aus!
Aus Industriegebieten und von Einfallstrassen kennt man so etwas, aber mitten in der City ist es in einer solcher Häufung doch mehr als ungewöhnlich und man fragt sich, wie die Berliner Politik die Entstehung eines solchen Problem-Kiezes dulden konnte. Solange ich persönlich die Kurfürstenstrasse kenne, gab es dort schon immer Gunstgewerblerinnen, aber in den vergangenen Jahren hat es Reeperbahn-Dimensionen angenommen, die das Stadtbild an diesem Ort merklich prägen und überhaupt nicht zum übrigen wohnlichen Umfeld passen, wo Schülerinnen und Schüler herumlaufen und Familien ihren Lebensraum haben.
Focus-Reporterin Uschi Jonas war vor Ort, um sich selbst ein Bild der Lage zu machen und um mit Anwohnern ins Gespräch zu kommen. Dabei stellte sie sich auch die Frage, was das alte Prostituionsgesetz wohl in der Kurfürstenstrasse bewirkt hat und was das neue dort bewirken kann. Dabei kam dabei sie zu folgender Artikel-Überschrift:
Focus Online: Wo das Prostituiertenschutzgesetz versagt: Besuch auf dem Straßenstrich in Berlin
Vor einigen Wochen habe ich auf einer meiner Reisen durch die Republik eine sehr interessante Lady kennengelernt, die sich seit vielen Jahren in der Rotlicht-Szene bewegt, selbst einmal aktive Sexworkerin und Aktivistin war und sich derzeit als Kolumnistin und Autorin mit dem Thema „Prostitution“ beschäftigt und dabei ihren berichtenden Fokus sogar international ausgerichtet hat. Nach einem Treffen in Berlin, hat mir „Ariane“ zugesagt, mich vielfältig zu unterstützen und für MH-Consulting auch Beratungsaufgaben in 2017 zu übernehmen, worüber ich mich sehr freue!
Heute ein erster Beitrag von Ihr, der sich mit dem Thema „Stigmatisierung von Sexworkern“ befasst und dabei auch die Frage stellt, ob Sexarbeit wirklich ein Beruf wie jeder andere ist?
„Stigma und Schweigen“ Kolumne by Ariane
Eines der frustrierendsten Dinge als Sexarbeiterin, zu deren Berufsbild Diskretion gehört, ist es, Angst zu haben, öffentlich zu sprechen und sich in Debatten einzumischen. Aus Angst, sich zu outen. Dies hat mich immer begleitet; die Angst durch andere, geoutet zu werden, hat mich dazu veranlasst, vor Jahren in die Offensive zu gehen. Dies ist aber schlecht für das Geschäft und Image, das war mir klar; und je deutlicher ich sichtbar wurde, mit meiner persönlichen Meinung, meinen Erfahrungen und Überzeugungen, desto stärker fühlte ich, dass es an der Zeit ist, mir einen anderen Job zu suchen.
Nein, Sexarbeit ist kein Beruf wie jeder andere, wie es all jene akklamieren, die auf das Recht auf selbstbestimmte Arbeit pochen. Oftmals ist Sexarbeit die einzige Möglichkeit zu überleben, in Deutschland und weltweit, weil andere Optionen verschlossen sind oder weil man nicht in einem unterbezahlten Job oder in Abhängigkeitsverhältnissen leben möchte. Sei es eine Ehe mit Versorgungsanspruch unter diktierten Bedingungen oder der Weg zum Arbeitsamt. Viele haben das schon hinter sich, auch die Gängelei und den Zwang in manchen Paarbeziehungen, der einem jede persönliche Entfaltungsmöglichkeit raubt.
Es gibt viele gute Gründe, auch unter legalisierten Bedingungen über diese stigmatisierte Arbeit zu schweigen: es ist nicht nur das Stigma und die soziale Bewertung in unserem und anderen Kulturkreisen. Oft sind es auch aggressive oder dominante SexarbeiterInnen mit wenig Sachkenntnis, die die Wortführerschaft beanspruchen, oft privilegierte, artikulierte Personen, die die Wortführerschaft an sich reißen, aber nicht die Interessen aller SexarbeiterInnen miteinbeziehen. Das Privileg von manchen verstellt den Blick auf die miesen Arbeitsbedingungen, unter denen viele werkeln, Bedingungen, die in die Persönlichkeitsrechte eingreifen, die einen stumm machen und weil man das Geld zum Leben braucht. Gelddruck, Abhängigkeiten – wie soll man da laut und öffentlich werden? Eine Frechheit von all jenen, die sich selbst zwar frei geschwommen haben, aber Outings anderer forcieren wollen.
Illegalität, Abschiebung – sollen Sexworker, die davon betroffen sind, den Mund aufmachen? Hirnrissig. Das Stigma verstärkt die Barriere, in Not nach Hilfe zu fragen. Und das Menschenhandels-Narrativ, dass alle Sexworker als Opfer, alternativ Opfer eines falschen Bewusstseins definieren will: da traut sich doch kaum noch eine in die Öffentlichkeit und wird von vorneherein nicht ernstgenommen. Man erkennt es ja alleine schon am Umgang vieler JournalistInnen mit Erotikdienstleisterinnen: immer auf der Suche nach abgewrackten Showstars auf der Strasse oder nach schönen Bildern. Der Voyeurismus der Kamera ist unverhohlen und hält drauf.
Dürfen Frauen nicht einfach sagen, sie machen es für Geld? Nein. Weder gegenüber vielen Kunden, noch gegenüber Prostitutionsgegnern. Gelddruck wird als Überlebensprostitution und somit als ‚unfreiwillig‘ und als Zwang interpretiert. Dabei steht Geldverdienst bei anderen Berufe auch an erster Stelle und nicht allein „Berufung“.
Solange Sexarbeit deutschland- und weltweit gesellschaftlich geächtet ist, wird das Hurenstigma existieren. Die kommende Zwangsregistrierung als Prostituierte in einer „Hurendatenbank“, die im kommenden Prostituiertenschutzgesetz auf alle Sexworker zukommt, verfestigt nur das Stigma. Gleiche Rechte wie in anderen Berufen sehen anders aus.
Dona Carmen e.V. hat gestern in einem befreundeten Escort-Forum den Termin zu einem Koordinierungstreffen zur geplanten Verfassungsbeschwerde veröffentlicht. An dem Treffen in Frankfurt/Main wird auch der Berliner Rechtsanwalt Meinhard Starostik teilnehmen und seinen Entwurf präsentieren. Ich selbst habe mich als Publizist schon angemeldet und werde, wenn man mich denn „zulässt“, natürlich vom Termin berichten, da ich die Verfassungsbeschwerde unterstütze.
Doch nun lassen wir den Verein erst einmal selbst sprechen:
Aufruf zur Teilnahme am 2. Koordinierungstreffen „Verfassungsklage gegen das Prostituiertenschutzgesetz“
Freitag, 16. Dez. 2016, um 12.00 Uhr, Elbestraße 41 Frankfurt/Main
An Sexarbeiterinnen, Bordellbetreiber/innen und interessierte Aktivisten.
In 8 Monaten tritt das „Prostituiertenschutzgesetz“ in Kraft!
Unter Bruch verfassungsmäßig gewährter Rechte erfolgt ein massiver Angriff auf die bestehende Infrastruktur von Prostitution sowie auf das Anbieten sexueller Dienstleistungen schlechthin. Es geht um eine grundsätzliche Erschwernis des Eintritts in die Prostitution; um eine Abschreckung vor Prostitution durch Zwangsouting sowie Zwangsmaßnahmen, Anordnungen und Sanktionen; um eine fundamentale Einschränkung der Mobilität von Sexarbeiter/innen; um die Gefährdung der Existenz von Prostitutionsstätten.
Dagegen richtet sich unser Widerstand!
Rechtsanwalt Meinhard Starostik, Richter am Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, erarbeitet im Auftrag des Frankfurter Koordinierungstreffens „Verfassungsklage gegen das Prostituiertenschutzgesetz“ eine entsprechende Klageschrift. Doña Carmen e.V. hat nach dem ersten Koordinierungstreffen im September 2016 ein Spendenkonto für die Verfassungsklage eingerichtet und bekannt gemacht. Binnen kurzer Zeit haben wir bereits ein Viertel der notwendigen Kosten der Verfassungsklage gesammelt. Das ist gut, reicht aber noch nicht. Wir danken allen, die bisher gespendet haben! Aber wir müssen weiter sammeln und bitten um Deine / Ihre finanzielle Unterstützung:
Spendenkonto für die Verfassungsklage:
Dona Carmen e.V.
IBAN DE44 5005 0201 1245 8863 61
BIC HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse
Der erste Entwurf der Verfassungsklage ist fertig! – Kommt am 16. Dezember 2016 um 12.00 nach Frankfurt! Wir werden weiter Druck machen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Deswegen laden wir ein zum zweiten Koordinierungstreffen Verfassungsklage ProstSchG:
WANN? ► Freitag, 16. Dezember 2016, 12:00 Uhr WO? ► Doña Carmen e.V., Elbestraße 41, 60329 Frankfurt
Themen des Treffens:
► Bericht zum Stand der Dinge (NN, Doña Carmen e.V.)
► Vorstellung des Entwurfs der Verfassungsklage zum Prostituiertenschutzgesetz
(RA Starostik, Berlin)
► anschließend Fragen, Diskussion und Austausch
► Vorschlag zur Bildung eines ‚Beirats Verfassungsklage‘
► nächste Schritte Mobilisierung / Finanzierung
Aus organisatorischen Gründen ist eine Voranmeldung bei Doña Carmen e.V. erforderlich!
Um frühzeitige Anmeldung und zahlreiches Erscheinen wird gebeten.
Frankfurt/Main: Bankenmetropole versus „The walking dead“
Frankfurt am Main ist immer eine Reise wert, gerade wenn im Advent der weihnachtliche Glanz am Römerberg einzieht und man die Kälte mit einer Tasse Glühwein bekämpfen kann und wenn man anschließend in die „Fressgass“ weiterzieht, um die Weihnachteinkäufe zu tätigen. Soviel zur Theorie und zu den stolzen Aussagen der Gesellschaft für Stadtmarketing, die unsere hessische Metropole touristisch vermarktet und Touristen wirksam anlocken möchte, die auch ohne Appell an den Adventswochenenden gerne an den Main pilgern.
Ich hatte am vergangenen Wochenende in Frankfurt geschäftlich zu tun und wurde dabei mit
ganz anderen Impressionen konfrontiert, die mich dann doch recht nachdenklich gemacht haben. Nun: der erste Tag mit Beratungsgesprächen in der geschmackvollen Lounge des Steigenberger Metropolitain, das darauf folgende orientalische Abendessen mit einer lieben wie charmanten Freundin im Restaurant des Hotel Villa Oriental, wo ich dann in einem Sultanszimmer die Nacht verbrachte, waren sehr positive Momente, die einem auf Reisen die Zeit versüssen. So lässt sich Arbeit mit den schönen Dingen des Lebens verbinden: was will man(n) mehr?
Ein Anruf zur Nacht beendete die Idylle radikal! – Ein Kollege, der schon seit vielen Jahren im
Bahnhofsviertel aktiv ist, meldete sich und wollte mich unbedingt noch in der Nacht treffen. Da es vom Hotel nur wenige Minuten bis ins Viertel waren, sagte ich notgedrungen zu und maschierte durch die kühl-neblige Nacht Richtung Amüsiermeile.
Schon auf dem Weg begegneten mir unzählige junge Männer mit gezückten Bier- und Schnapsflaschen, Magreb-Migranten, die mir penetrant Betäubungsmittel anboten und Bettlerinnen in osteuropäischer Landestracht, die ein „Nein“ zur verlangten Spende mit lautstarken Flüchen kommentierten. Ja, schon sehr romantisch! Vor einer Nachtbar mit Namen „Moulin Rouge“, versperrte mir ein älterer Koberer den Weg und wollte mich zu einem Besuch des Animierschuppens nötigen, wo man dann am Tisch auf eine bereits geöffnete Sektflasche trifft, die einen mal flugs 150 Euro kostet. Kenne ich schon, brauche ich nicht und da hilft es auch nichts, dass eine Kober-Kollegin mich am Arm packt, um mich mit Gewalt in die Bude zu ziehen. Das funktioniert wohl nur bei schmächtigen Japanern, die mit solchen Attacken noch keine Erfahrungen haben.
Nach dreimal Festhalten, Labberei und zwei eindeutigen Angeboten von Bordstein-Animateurinnen, schaffte ich es schließlich mit einigem Hakenschlagen und strammem Schritt bis zum „Leierkasten“ in der Elbestrasse, dem Puffbistro im Crazy Sexy, wo das Treffen mit dem Kollegen stattfinden sollte. Nicht nur der Kollege war im Lokal, sondern die übliche Bahnhofsmischung, die aus Puffschleichern, Bordellmanagern, Gunstgewerblerinnen und nicht näher definierbaren Nachtschwärmern besteht, für die Sex and Crime irgendwie verlockend ist. Zum Sex komme ich später noch, was den Crime anbelangt, braucht man nur wenige Minuten zu warten, bis mehrere Polizeiwagen eintreffen, um einen handfesten Streit zu beenden und die Streithähne nebst Gefolge einzusammeln. Direkt vor dem Leierkasten liegt zudem eine mittelalte Dame auf der Strasse, die eine Spritze im Arm hängen hat, wirr mit sich selbst spricht und nach wenigen Minuten von einem Rettungswagen eingesammelt wird. Klar, die umstehenden Personen grinsen und machen schnell einige Selfies, die das Geschehen dokumentieren. Ein junger Osmane bremst seinen getunten Schlitten mitten auf der Strasse, schaltet den Warnblinker ein, rennt mit schnellem Schritt ins Bordell, während eine Schlange von bestimmt 10 nachfolgenden Wagen ein wildes Hupkonzert beginnt.
Der Kollege sitzt am Tresen, hat schon ein Bier zuviel und befindet sich im angeregten Gespräch mit 2 zwei Latina-Ladies, die im Lokal auf Kundenfang sind und sich einen Drink nach dem anderen ausgeben lassen. Sie haben kein Zimmer im Eros-Center, können aber das Hinterzimmer eines Kiosk benutzten. Aber auch ein Hotelbesuch ist kein Problem, wenn man an Ort und Stelle schon mal anzahlt. Bucht man die Damen im Duo, gibt es Prozente. Bucht man gar nicht, gibt es böse Blicke und gespielte Entrüstung. Mir total egal! – Während eine der Latinas mit ihrer Hand an meinem Knie spielt, trink ich eilig mein Bier, um das Lokal möglichst schnell zu verlassen. Sie sieht einfach zu durstig aus und wenn man nicht schnell genug aus der Anbahnungshandlung ausbricht, hat man wenig später das südamerikanische Theater kostenlos. „Mi amor“ … nein … nicht mit mir!
Mein Kollege will mir einige umgebaute Bereiche in seinem Eros-Center zeigen. Na prima, jetzt auch noch in die steilen 5-stöckigen Treppenhäuser, wo man sich wie im Hühnerstall fühlt und wo einem die Menge durch die Flure schiebt. Trimm-dich-Pfad für Nachtgeister. Im Haus selbst geht es zu wie auch dem Hauptbahnhof. 50 Mann rauf, 50 Mann runter, Hektik pur und Einblicke in die kleinen Verrichtungszimmer, aus denen lautstarkt gerufen und vehement gewunken wird. Alles in fremdländischer Hand: ein Basar, wo um jeden 5-er gefeilscht wird und wo ich mir wirklich keine Einkehr vorstellen kann. Total unerotisch und da nützt es dann auch nichts, dass die werbenden Damen ihre Brüste auspacken und ungestüm mit dem Hintern wackeln. – 30 Euro, ficki, blasi, Position, lansam lansam! Da will man einfach nur ganz schnell wieder raus! – Ich jedenfalls!
Beiläufig stelle ich mir die Frage, welche Folgen das neue Prostitutionsgesetz wohl 2017 im Bahnhofsviertel haben wird und ob alle angetroffenen Protagonisten darüber schon wirklich
Bescheid wissen? – Vorstellen kann ich mir das nicht, aber meine Kundschaft besteht zum Glück aus ganz anderen Akteurinnen und Akteuren.
Nach einer Stunde im Viertel habe ich die Nase total voll, mein Kopf dröhnt und ich zeige massive Stress-Symptome. Der Kollege ist verwundert, schließlich wollte er mit mir noch auf einen Sprung ins „Pure Platinum“, wo man so gut chillen kann. Ich grinse: in meinem Sultanszimmer geht chillen viel besser und auch viel preiswerter! – Nachdem ich leichte Kopfschmerzen angedeutet habe und zudem noch einen Beratungstermin erwähne, der am frühen Sonntagmorgen stattfinden soll, entlässt mich der Kollege aus der lästigen Pflicht.
Nix wie weg! – Ich glaube ich bin inzwischen zu alt für solches Chaos! – Auf dem Rückweg fühle ich mich ein bisschen wie in „The walking dead“. Nachdem ich die roten Lichter im Rücken habe, fallen mir in allen Nebenstrassen Bordstein-Camper auf, die auf Pappen ihr Bettzeug ausgebreitet haben, um dort zu schlafen. Ein älterer Mann jongliert mit seinen Turnschuhen und bittet um eine Spende für seine Vorführung, während sich im benachbarten Hofeingang eine junge Dame provokant in den Schritt greift und mir etwas unverständliches zuruft. Sie hat sich wahrscheinlich verlaufen? Jedenfalls folgt sie mir, als ich um die Ecke biege. Um nicht kurz vor der Nachtruhe noch einmal in ein sinnloses Gespräch verwickelt zu werden, gebe ich Gas, wechsle die Straßenseite und verschwinde dann schnell im Nachteingang meines Hotels, wo mich der Nachtportier feierlich angrinst.
„Na, haben Sie noch was schönes erlebt?“, fragt er süffisant. Was soll ich jetzt dazu sagen?Wenn er die letzten 2 Stunden im Viertel meint, würde meine Antwort negativ ausfallen, denn hier hat sich Frankfurt am Main von einer Seite gezeigt, die den Normalbürger nur abschrecken kann. Ein solches Irrenhaus habe ich bei meinen diesjährigen Reisen durch die Republik noch nicht erlebt. Das ist keine Subkultur, sondern der Untergang in Reinkultur! Keine große weite mondäne Welt, sondern ein fast selbstverwaltetes Ghetto mit hohem Gefährdungspotential, das man mit Erotik und Lust überhaupt nicht in Verbindung bringen kann. Obwohl ich schon einiges gewöhnt bin, hat mir der Abend eher Angst gemacht und ich habe mir fest vorgenommen, den Distrikt zukünftig zu meiden und es dann doch eher am Römerberg zu probieren, wenn ich in einigen Wochen wieder in der Stadt sein werde!
Um den Nachtportier nicht zu verunsichern, antwortete ich auf seine genannte Frage schnell mit einem „Aber sicher! – Gute Nacht“, bezog dies für mich selbst aber auf den frühen Abend, wo ich in angenehmster Gesellschaft war und die roten Lichter meinen Blick noch nicht getrübt hatten!
Hotel- und Restaurant-Empfehlung für Frankfurt/Main:
Chinesische Sexarbeiterinnen erobern den deutschen Erotikmarkt
Made in China: eine der größten Volkswirtschaften der Welt expandiert seit vielen Jahren in fast allen Segmenten der Weltwirtschaft und versorgt auch den heimischen deutschen Markt mit günstig hergestellten Produkten. Waren es vor einigen Jahren noch hauptsächlich Billig-Produkte, so sind es heute auch hochwertige Industriegüter und Unterhaltungsektronik, deren Fertigung im fernen Reich der Mitte einfach viel günstiger ist als bei uns. Ein kaum vorhandener Arbeitsschutz, geringe Umweltauflagen und niedrige Löhne bei massenhaft verfügbaren Arbeitskräften, sind die wesentlichen Gründe für die günstigen Angebote.
Auch der weltweite Menschenhandel ist eine Branche, die seit einigen Jahren die Fühler nach China ausgestreckt hat: in ganz Europa findet man erotische Massagesalons, die mit jungen attraktiven Damen aus China werben, die Massagen und „viel mehr“ anbieten und für die etablierten Thai-Massage-Salons eine ernst zunehmende Konkurrenz darstellen. Während man die Thai-Massage weltweit kennt und indisches Tantra auch als transzendentale Form der Sexualität versteht, hat die scheinbar hippe „China-Massage“ bei uns inzwischen ein besonderes „Geschmäckle“ bekommen, wenn man den Internetforen und den eigenen Beobachtungen denn trauen kann.
Im gesamten Bundesgebiet findet man inzwischen Institute, in denen junge Chinesinnen mit sehr eingeschränkten Sprachkenntnissen für Pauschalpreise von 70 Euro für die halbe und 130 Euro für die ganze Stunde weitreichende erotische Dienstleistungen anbieten. Schon die telefonische Terminvereinbarung wird zu Abenteuer, weil die Betreiber der Studios oft die deutschsprechende Telefondame einsparen und bei Fragen lediglich „du kann kommen“ oder „mache gut“ nebst Adresse durch den Hörer geflötet wird. Wenn der Straßenname dann kompliziert ist, sind die verbalen Kostproben durchaus unterhaltsam. Nun ja, wenn ich am Telefon chinesische Adressen in Peking durchgeben würde, wäre es natürlich genauso seltsam, aber ich würde mir dies sicher im Sinne des Geschäfts ersparen.
Wenn man schließlich die Adresse doch gefunden hat und in diesen besonderen Instituten vorspricht, geht das Chaos oft weiter. Der „Siri-Übersetzer“ auf dem IPhone oder der beliebte
„Google-Translater“ auf dem Android-Handy sind notwendig, um mehr über Preise und Service zu erfahren. Die meist sehr freundlichen jungen Damen haben die Smartphones stets zur Hand und halten einem das Ding schon zur Begrüßung vor die Nase! – Sehr ungewöhnlich, aber eben doch sehr hilfreich, wenn man über keine Sprachkenntnisse verfügt!
Die Massage-Angebote sind in vielen Fällen sehr weitreichend und beinhalten neben der klassischen Körpermassage oft alle denkbaren erotischen Spielarten, die gegen Zahlung einer Zusatzgebühr auch sehr tabulos ausfallen können. Dumping und Lockangebote sind unüblich: fester Preis und weitreichender Service, wobei man dennoch nicht das Gefühl hat, sich in einem Bordell-Betrieb zu befinden, weil die Damen eben branchenuntypisch erscheinen und es auch sind!
Im Rahmen einer journalistischen Recherche kam ich im vergangenen Jahr mit der China-Branche etwas näher in Kontakt und stieß dabei auf erstaunliche Dinge:
Während mir bekannte Thai-Damen schon seit vielen Jahren in Deutschland leben, im Schnitt um die 40 Jahre alt sind, mit deutschen Staatsbürgern verheiratet sind und ihre Massagesalons offiziell angemeldet haben, trifft man im China-Institut vermehrt auf Touristinnen, die mit einem 3-Monat-Visum ausgestattet sind oder aber auf Anraten eines „Beraters“ vorsorglich einen Asyl-Antrag gestellt haben! – Da in China verschiedene Volksgruppen politisch verfolgt werden, soll die behauptete Zugehörigkeit zu einer solchen Gruppe geradezu Gold wert sein, da der Asyl-Antrag dadurch angenommen wird und man mit diversen Rechtsmitteln dann gut und gerne 3 – 4 Jahre in Deutschland geduldet wird. In diesen Jahren, wo das Verfahren läuft, geht man dann einfach unangemeldet der Prostitution nach und spart sich dabei auch jegliche Steuerzahlung!
Dieses Geschäftsmodell haben sich die Damen natürlich nicht selbst ausgedacht! – Dafür wären weitreichende Kenntnisse im deutschen Asylrecht nötig, die man nicht so einfach im chinesischen Internet findet. Es muss also davon ausgegangen werden, dass es im Hintergrund eine Organisation gibt, die sich im „menschlichen Export“ auskennt und für die nötigen Papiere sorgt. Auch wenn die Damen stets behaupten, irgendwie vom Himmel gefallen zu sein, ist dies natürlich wenig glaubwürdig!
Nun hat es, wie nicht anders zu erwarten war, in diesem Jahr eine Vielzahl von Razzien im chinesischen Massage-Milieu gegeben, bei denen eben die Touristinnen und Asylantinnen entdeckt wurden, die bei den Überprüfungen natürlich kein Wort deutsch sprachen und sehr überrascht wirken, als man sie mit dem deutschen Recht konfrontierte. Bei den Touristinnen war die Handhabe einfach: man untersagte die weitere gewerbliche Tätigkeit oder sorgte bei abgelaufenem Visum für die umgehende Heimreise. Bei den Asylbewerbern war uns ist es deutlich schwieriger, da der Schutzgedanke des Verfahrens eine Abschiebung verhindert. Selbst bei mehrfachen Aufgriffen, sind den Behörden die Hände gebunden! Wer kann auch sympatischen und hilflos wirkenden jungen Damen wirklich böse sein?
Haben wir es in diesem Bereich mit selbstbestimmter Sexarbeit zu tun oder ist es Menschenhandel in krasser Form?
Eine chinesische Dame, die sich gut auskennt und die schon lange legal in Deutschland lebt, hat mir das Modell recht anschaulich erklärt: die chinesische Mentalität ist nach ihren Aussagen sehr geschäftsorientiert und sexuelle Dienstleistungen, die in der Volksrepublik offiziell gänzlich verboten sind, werden nicht unter moralischen Aspekten gewertet, sondern sind eine Ware, die man dort auf den Markt bringt, wo der Ertrag am besten ist. Mit 3 Jahren illegaler Prostitution in Europa sollen sich mit angewandter Tabulosigkeit mehrere Hundertausend Euro steuer- und abgabenfrei erwirtschaften lassen, die in China für den einfachen Bürger ein unglaubliches Vermögen sind. Dass man von angenommenen 300.000 Euro etwa ein Drittel an die „Organisation“ abgeben muss, bleibt bei der Rückkehr nach China ein schöner Batzen Geld übrig, der dort später für ein gutes Leben reichen soll.
Verschleppung oder die Anlockung mit falschen Versprechungen mag es zwar auch geben, aber in vielen Fällen soll das Geschäft schon in China sehr konkret abgesprochen worden sein. Die Organisation tritt in Vorleistung, organisiert und zahlt die Anreise, stellt vor Ort „Gewerberäume“ zur Verfügung und hält einen geheimen Leitfaden für den Umgang mit deutschen Behörden bereit und sorgt auch für den Personalaustausch im europäischen Binnenmarkt, wenn irgendwo mal etwas anbrennt! – Durch „Schengen“ ist man ja flexibel und kann den Arbeitsort jederzeit schnell wechseln, wenn irgendwo Unannehmlichkeiten drohen. Zwar ist das dann möglicherweise auch ein Verstoß gegen Asylbestimmungen, aber man hofft auch hier nicht wirklich behelligt zu werden.
Für die Behörden ist es jedenfalls fast unmöglich, erfolgreich am Ball zu bleiben, da sich Zuständigkeiten ändern, Personen abtauchen, Papiere verschwinden und man außer einem freundlichen Lächeln kaum verwertbare Informationen bekommt!
Wenn dann mal ein „Schlag“ gelingt, wovon wir in den vergangenen Tagen in der österreichischen Presse lesen konnten, fliegen vielleicht 100 illegale Einwanderinnen nach Hause und einige Hintermänner landen im Gefängnis, aber im nächsten Flieger sitzt schon die gleiche Zahl neuer Touristinnen mit Leitfaden.
Markteroberung um jeden Preis? – Darin sind die Chinesen gut und die deutschen Behörden können da nicht kontern. Wie auch? – Man kann ja nicht allen chinesischen Touristinnen die Einreise verweigern und jeder Fall ist eben ein Einzelfall für den es immer auch Rechtsmittel gibt. Rechtsstaat ist Rechtsstaat und da kommt oft das Recht vor der Pflicht!
Das neue Prostitutionsgesetz wird ab Mitte 2017 erweiterte Möglichkeiten bieten, um illegale
Massagesalons zu eliminieren. Touristinnen und Asylbewerber können nach den neuen Bestimmungen nämlich keinen Huren-Ausweis erhalten und Salon-Betreiber dürfen Leute ohne Ausweis nicht beschäftigen.
Was hört man dazu aus dem chinesischen Milieu in Deutschland? – Man lese Konfuzius:
Die Freude ist überall. Es gilt nur, sie zu entdecken.
Übersetzt könnte dies bedeuten: Die Karawane zieht weiter und sucht eine neue Oase an einem Ort, wo es ein solches Gesetz nicht gibt!
Dona Carmen e.V., der Verein für soziale und politische Rechte von Sexworkern aus Frankfurt am Main hat in den vergangenen Tagen auf seiner Webseite einen Spendenaufruf zur Finanzierung der geplanten Verfassungsbeschwerde gegen das neue Prostitutionsgesetz veröffentlicht.
Wer sich finanziell beteiligen möchte, kann dies tun, indem sie oder er Geld auf folgendes Konto überweist:
Solidaritätskonto Verfassungsklage gegen das „Prostituiertenschutzgesetz“
Ich veröffentliche diese Information unter Vorbehalt, da ich mir parallel zum Spendenaufruf auch eine Kostendarstellung gewünscht hätte: Wieviel Geld wir konkret benötigt und wofür genau? – Was geschieht mit eventuell überschüssigen Geldern? – Gibt es für die Spender auf Wunsch Spendenquittungen etc.? – Ist man nur ideeller Unterstützer oder kann man sich namentlich an dem Verfahren beteiligen.
Nur Geld einzusammeln, erscheint mir persönlich schwierig, zumal das Beschwerdeverfahren beim Bundesverfassungsgericht erst mal kostenfrei ist. Lediglich für die anwaltliche Vertretung und die Ausarbeitung der Beschwerde entstehen Kosten.
Doch wem dies nicht wichtig erscheint, möge einfach spenden. Ich werde in jedem Fall in den kommenden Tagen einmal Dona Carmen anschreiben und um Aufklärung bitten.
Beitragsdatum: 15. November 2016 – Autor: Howard Chance (Publizist)
Neben dem „Sex ohne Gummi“ und dem bald ebenfalls untersagten „Sex mit Schwangeren“, hat der Gesetzgeber noch weitere bislang üblichen „sexuellen Dienstleistungen“ indiziert. Diese „Tabus“ findet man in den Bestimmungen für Betreiber von Prostitutionsstätten und für Partyveranstalter. Darin werden u.a. „Flat-Rate-Sex“, „Gangbang“ und „Rape“ als „Themen“ im gewerblichen Bereich untersagt. In „FKK-Clubs“ soll „FKK“ nicht mehr zulässig sein, da die „Anordnung von Nacktheit“ eine unzulässige Weisung gegenüber den Prostituierten darstellt und deren Persönlichkeitsrechte massiv verletzt. Bei „Flat-Rate“ und „Gangbang“ sieht die Politik die sexuelle Selbstbestimmung gefährdet und stellt klar, dass solche Geschäftsmodelle zukünftig amtlich nicht mehr geduldet werden.
So findet eine Prostituierte, die zwar persönlich kein Problem mit dem „Gangbang“ oder der „Flat-Rate“ hat, demnächst in dem Bereich einfach kein solches Beschäftigungsfeld mehr vor, da niemand solche Dinge zukünftig gewerblich anbieten darf. Wenn eine Prostituierte die „Gewerblichkeit“ umgeht, indem sie selbst, ohne Hinzuziehung weiterer bezahlter Kolleginnen, in ihrer Wohnung zu einem kleinen Gangbang einlädt, dürfte dies rechtlich wohl nicht zu rügen oder gar zu verbieten sein. Hier tun sich wahrscheinlich diverse „Gestaltungsmöglichkeiten“ auf, wenn man nur ein wenig intensiver darüber nachdenkt! – Es ist ein bisschen wie beim Schach: die Strategie entscheidet und es dauert, bevor man „matt“ steht!
Man sollte die „Sache“ aber unbedingt beachten, da empfindliche Bußgelder drohen und Betreiber bei wiederholten Verstössen auch ihre „Erlaubnis“ verlieren können!